HABBU BABBU – Das Kaugummi-Projekt

Habbu-Babbu  –  Alles Kaugummi oder was?

Hintergrund des Projekts

Das achtlose Ausspucken von Kaugummis auf Straßen, Plätzen und Gehwegen ist ein globales Problem. In Düsseldorf wie in vielen anderen Städten weltweit verschandeln die klebrigen Rückstände das Stadtbild und verursachen hohe Reinigungskosten.
In deutschen Großstädten landen laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 29.10.2019) bis zu 80 ausgespuckte Gummis auf einem Quadratmeter Straße. Rund 900 Millionen Euro kostet das Entfernen den Steuerzahler jährlich. Neben der unästhetischen Wirkung steht die Vermüllung auch symbolisch für einen sorglosen Umgang mit urbanen Lebensräumen.

Seit über einem Jahrzehnt setzt sich der Fotokünstler Wilfred H. G. Neuse mit diesem Phänomen auseinander, das auf den ersten Blick banal wirkt, aber in seiner ästhetischen wie ökologischen Dimension erhebliche gesellschaftliche Relevanz besitzt.
Inspiriert von Beobachtungen in Düsseldorf und München, sowie auf Reisen nach Polen, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Griechenland,  Israel und Asien, dokumentiert Neuse in einem künstlerischen Langzeitprojekt das Phänomen der „Bubble Gums“ als universelle, visuelle Spuren menschlichen Verhaltens im öffentlichen Raum.

Nachdem erste abstrahierte Werke der künstlerisch-dokumen- tarischen Untersuchung der Verschandelung von Straßen und Plätzen durch Kaugummiflecken in der  Gemeinschaftsausstellung VISUALIZATION HUMBOLDT international gezeigt wurden, präsentierte Neuse 2019 in der Parkkultur Düsseldorf  mit „Habbu-Babbu – sweet beautiful parasites“ eine Auswahl weiterer Ergebnisse.

Damals wie heute zeigt sich: Jeder einzelne Fleck steht für Kosten, achtloses Verhalten und die Zerstörung von Stadtraumästhetik.
Das Problem ist nach wie vor ungelöst und in Düsseldorf ebenso sichtbar wie weltweit. Die Aktualität des Themas hat sich seitdem weiter zugespitzt. Eine neue wissenschaftliche Pilotstudie untersucht, dass Kaugummis pflanzliche oder synthetische Kunststoffpolymere enthalten, wodurch sie zu einer Quelle für Mikroplastik werden. Dieses Mikroplastik kann über den beim Kaugummikauen entstehenden Speichel aufgenommen werden. (25.03.2025, „Chewing Gums: Unintended sources of ingested microplastics in humans”, https://acs.digitellinc.com/live/34/session/545928) Über die Kaugummis, die auf unseren Straßen und Plätzen landen, kann folglich ebenfalls Mikroplastik freigesetzt werden, das dann in die Umwelt und nicht zuletzt in Böden und Grundwasser gelangt.

Damit geht es längst nicht mehr nur um ein ästhetisches oder kommunales Problem, sondern auch um Gesundheit, Ökologie und Nachhaltigkeit.

Aktuelle Projektbeschreibung


 Ab 12. Juni 2026 präsentiert Wilfred H. G. Neuse
das Ausstellungsprojekt „Habbu-Babbu 2.0“
im Rathaus Düsseldorf als Weiterführung und Neuauflage
des Projekts von 2019.

Die aktuelle Ausstellung kombiniert: 

  • Neue fotografische Arbeiten, die den aktuellen Zustand des urbanen Raums dokumentieren und ästhetisch transformieren.
  • Eine Bestandsaufnahme: Die Werke von 2019 werden bewusst in einen Dialog mit den neuen Arbeiten gestellt. Dadurch wird eine künstlerische und gesellschaftliche Rekapitulation über zehn Jahre ermöglicht.
  • Erweiterte Perspektiven: Die Ausstellung bezieht den neu entdeckten Aspekt des Mikroplastiks als unsichtbare,
    aber hochbrisante Umweltbelastung mit ein.

„Habbu-Babbu 2.0“ ist somit gleichermaßen Rückblick, Fortführung und Neudefinition eines künstlerischen Projekts, das eine urbane Alltagproblematik spiegelt und dessen Relevanz durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse noch verstärkt wird.

Zielsetzung 

  • Rekapitulation: Zehn Jahre künstlerische Auseinandersetzung mit einem urbanen Alltagsphänomen.
  • Aktualisierung: Verknüpfung der ursprünglichen Bildsprache mit neuen Erkenntnissen über Mikroplastik.
  • Sensiblisierung: Bewusstsein für die gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Kaugummi im öffentlichen Raum schaffen.
  • Öffentliche Diskussion: Stadträume, Konsumgewohnheiten und ökologische Verantwortung in den Fokus rücken.
  • Kulturelle Vermittlung: Mit künstlerischen Mitteln zu einem nachhaltigen Umgang mit urbanem Raum beitragen.

Zielgruppe  

  • Breite Öffentlichkeit: Bürger:innen Düsseldorfs und Besucher:innen der Stadt.
  • Besonderer Fokus auf Kinder, Jugendliche und Schulklassen: Vermittlung ökologischer Zusammenhänge durch kreative, niedrigschwellige Formate.

Einzelne Maßnahmen 

  • Ausstellung im Rathaus: Präsentation von neuen und früheren Arbeiten im Dialog.
  • Dokumentation/Katalog: Begleitend und zur Erweiterung der Ausstellung erscheint der Fotoband HABBU BABBU 2.0. Hierin machen der Fotokünstler Wilfred H.G. Neuse und der Texter Thomas Schubert auf bissig-ironische und unterhaltsame Weise auf das nahezu überall vorkommende Umweltproblem aufmerksam. Lesungen dazu sind geplant.
  • Editionen: Zur Eröffnung wird als limitierte und signierte Edition der „HABBU-BABBU-KUNSTKAUGUMMI“, an die Eröffnungs- und Ehrengäste verschenkt.
  • Künstlergespräche: Dialoge mit Wilfred H. G. Neuse und Thomas Schubert über ihre Arbeit, Motivation und Entwicklung
  • Führungen: Für Schulklassen finden spezielle Führungen und Aktionen u.a. mit Stadtteilpolizist a. D. und Stadtführer Dirk Sauerborn, die unter Einbeziehung der Ausstellung die Besucher für das Problem der Umweltverschmutzung (mit Blick auf die überall nicht zu übersehenden Kaugummiflecken) in unserer Stadt sensibilisieren. Alternativ bei schlechtem Wetter werden Malaktionen für die Schüler in der Ausstellung angeboten.
  • Sonderaktion: Installation einer „Gum Wall“ am Rathausplatz oder im Rathaus als Mitmachaktion für die Besucher (unter Vorbehalt einer Genehmigung).